Von:
David Ganek

e-papst.de

„Wir sind Papst“, so titelte die Bild-Zeitung am 20. April 2005. Noch im Herbst desselben Jahres wurde „Wir sind Papst“ zu „Wir sind Kanzler“ und zwei Jahre darauf zu „Wir sind Weltmeister“.

Die Schlagzeile wurde Kult. Vielfach zitiert und verfremdet steht sie doch immer für eine Sache: Die Schlagzeile steht für uns, sie vereinnahmt uns. Am 20. April waren wir alle nicht nur katholisch, sondern das, was der zumindest nicht unumstrittene Kardinal Joseph Ratzinger geworden war: Als weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufstieg und Jorge Medina Estevez verkündete: „Habemus Papam“ wurden wir alle Papst.

In diesem Moment ist Kardinal Joesph Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. geworden und Deutschland – zum ersten Mal seit fast 500 Jahren – mit ihm.

Als Deutscher wurde Benedikt XVI. zum „Episcopus Romanus“, dem Bischof von Rom. Er wurde zum Nachfolger Petri. Damit trat er in die großen Fußspuren von Petrus, dem Fels, auf den Jesus Christus seine Kirche baut; in die Fußspuren von Petrus, der erkennt, als er sich zu Jesus wendet: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16,16)

Mit seiner Wahl zum Papst wurde Benedikt XVI. auch zum „Summus Pontifex“, dem oberste Brückenbauer zwischen Gott und Mensch. Das ist eine große Würde und Verantwortung, die das Papstamt mit sich bringt. Einen Teil davon gibt der Papst durch Weihe weiter an seine Kardinäle, Bischöfe und Priester. Wenn einer von ihnen die Heilige Messe feiert oder in der Beichte Gläubige von ihren Sünden losspricht, führen sie genau diese Mittlerfunktion zwischen Mensch und Gott aus.

Der Reformator Martin Luther schreibt 1520 in seiner Schrift an den christlichen Adel: „Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei.“ Luther betont, dass jeder, der getauft ist, keinen Mittler mehr zwischen sich und Gott braucht. Jesus Christus selbst ist durch seinen Tod am Kreuz zum „Brückenbauer“ für uns geworden; er überbrückt die Trennung zwischen Mensch und Gott. So sieht Gott jeden Einzelnen als zu ihm gehörig an. Keiner ist nötig, um zwischen uns und Gott zu vermitteln. Was für eine große Würde und Verantwortung!

Also hatte die Bildzeitung mit ihrer Kultschlagzeile doch recht: Wir sind Papst!